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20.10.2014 Der Pinsel von Alstaden und Kalle und Heinz sind in der Krise

Bebelstr. 241a
Der Maler und der Pinsel. Der Kumpel und sein Schlägel. Der Bergmann und das Licht. Der Hauer und das Erz. Der Frisör und die Schere. Der Schneider und sein Faden. Der Becker und das Mehl. Die Heimat und Frau Vier. Die Auszeichnung und das Kreuz. Also, jedes Handwerk braucht sein Zeug oder sein Symbol. Aber braucht eine Wand einen solchen (siehe oben) Pinsel? Ja! Aber nur in der Hand des Malers und von der Hand des Malers geführt, wenn sie (die Wand, nicht die Hand) die Farbe wechseln soll. Man sieht, die Verschönerungstendenzen des Alstadeners in Alstaden treffen zuweilen den kuriosen Geschmack des Geschmacklosen mit einigem "AufWand!!".

- "Kehr, nä, wat ist bloß mi'ti Welt los?"
- "Wat hasse denn aufe Seele, Kalle?"
- "Ach hömma Heinz, et ist einfach nix mehr so wie frühers."
- "Da sach'se wat, Kalle. Gib' ma'n Schluck aus Dein Flachmann. Gerda hat der Assbach immer noch versteck', weil ich mit dat Strickn nich' vorran komm'."
- "Dann bisse mitti die Sockens auch noch nich' weiter?"
- "Nä, der eine Sock'n hap'ich ja feddich, der zweite fällt mich verdammp schwer. Ich bin auch in'ne Kriese. Genau wie Du."
- "Hasse der Pinsel an'ne Want in'ne Bebel geseh'n bei der Malerbetriep DEMA von der Detlef Engel?"
- "Wie soll ich, Kalle? Dat Gerda hat doch seit unsere letzte Tour inne Flaßhof mein AOK-Schopper in der Schuppen in Gaa'ten wecke'schloss'n. Weiß'e doch?!"
- "Ach ja, getz' fällt mich widder ein."
- "Dat mit der Pinsel von den DEMA Anstreicher an'ne Want, Heinz, dat sieht aus alz'op die Want den Pinockio sein Zinken hätt."
- "Lüch' der DEMA denn?"
- "Nä, weiß'ich nich'. Ulla meint, der wollt' mit den aufrecht'n Pinsel an die Want 'n Zeich'n von seine Potenz zeig'n."
- "Nix als wie Scheiße in'ne Welt, Kalle." 
- "Du sach's'et Heinz. Ukreine, Äbulla,Venus, dä Dax un' dä BVB in Keller un' dann auch noch der Pinsel an'ne Want. Heinz wo soll dat allet hin führ'n? Mach'ma' schnell liep bei die Gerda, damit'te Dein Schopper widder kriss, un' wir entlich zu'n Kleine-Natrop mit unsere Kumpels ein Schnasseln könn'."

21.09.2014 Brauchtum in Alstaden und Kalle und Heinz und die Liebe zu Gerda


Der Alstadener pflegt tradionsbewusst sein Brauchtum. Er hängt Wäsche auf eine Leine vor's Haus und wartet darauf, dass entweder schön geheiratet wird/wurde oder sich der Kindersegen eingestellt hat. Diese Verhaltensweisen sind Beschwörungsformeln für die Zukunft. Es soll das, was eigentlich schon gut ist (die Liebe, das Heiraten, das Kinderkriegen, das Eheleben), auch gut bleiben. Es soll sich bewähren und bewahrt werden. Oder - so der ganz fromme Wunsch - noch besser werden. Und all das am besten bis in alle Ewigkeit. Wobei die Ewigkeitsgrenze für jede irdische Beziehung (auch die zu den Kindern) der Tod ist. 
Aber so wie die Wäsche, der Hausschmuck und die Wäscheleine wieder entfernt werden, so werden auch die Feierstunden des Lebens mit fortschreitender Zeit vom Schleier des grauen Alltags überschattet werden. Also, liebe Alstadener, die Brauchtumswäsche nicht nur von der (Lebens)-Leine abnehmen und achtlos weglegen & vergessen, sondern immer einmal wieder vom Grauschleier befreien, erneut vors Haus hängen und den bisher gemeinsam zurückgelegten Weg angemessen feiern. 

- "Stell'ma'vor Kalle, letzens sitz ich mit mein Gerda noch spät vor'e Glotze, un' da fracht mich dat doch tatzächlich so in'ne Stille von den Tagesthemageschwafel von den Roth rein: 'Hömma Heinz, liepse mich ei'ntlich noch!??!??'"
- "Kehr, sach ma' Heinz, dat is doch nich' dein Ernz, äh?! 
- "Nä, da schnallze doch glatt ap, wa Kalle. Meine Olle un' de Romantick aus'se Bunte?!!" 
- "Hömma Heinz, dat is' ja unvaschämp, Du! Dat is'ja fass'n Affrong oda so auf deine ureinxe Menschnrechte als Mann unsoweiterunsofort! Ich hoff', Du has'se heftich de Leffitt'n geles'n!"
- "Nä Du, ... da hap ich ers'ma' ne tiefe Brüllmaus vor Schreck jemacht un' gesach': 'Gerda, Du meine Liepse, hol Du mich ma'ne neue Pulle Bier aus'n Kühl! Abba zackzack zwei Huhn ein Gänse!!'"
- "Un' dann?"
- "Dann hat'se de Pulle jebracht un' vor sich hin jemurmelt: 'Er liep mich doch noch ... und dat nach sooo viele Jahre.'"