15.06.2015 Der heilige Antonius, Akki kriegt ne Ohrfeige und vergibt die Schuldigern nich' mehr so gern ...

Die Erscheinung des heiligen Antonius

  • Wie ist das heute eigentlich so mit der Kirche? 
  • Geht man dort überhaupt noch hin? 
  • Verspricht man sich etwas davon, der Kirche anzugehören? 
  • Besucht man noch die Messen? 
  • Wenn ja, sucht man dort Frieden und Segen und Ansprache und Trost? 
Dies sind alles Fragen, die ich mir stellte, als ich am Wochenende, anlässlich der Gemeindefeier von St. Antonius in Alstaden …. nach gaaaanz gaaaanz langer Zeit einmal wieder an einer Messe teilnahm.
Und ich war schon sehr überrascht, mitzubekommen, dass die Messen heutzutage ganz anders gestaltet sind als früher. Erheblich freier. Weniger "dunkel" und mystifizierend. Offener. Fröhlicher. Lustiger. Peppiger und poppiger.
Das machte sich alleine schon an der Kirchenmusik fest. Die Kirchgänger wurden nicht "schwer tonal getragen", "gestimmt" und "eingestimmt" durch Ehrfurcht gebietende Orgelklänge - NEIN - sie wurden mitgerissen von der Musik der Band "Dialog"

Drei Sängerinnen, ein Keyboarder, ein noch ganz junger Schlagzeuger und ein Gitarrist sorgten für den Background fetziger Musik in der Kirche, wie ich sie aus der Messdienerzeit meiner Jugend gar nicht kannte … und damals auch nie für möglich gehalten hätte.Das Ganze hatte wirklich etwas von richtigem Feiern … vielleicht sogar von Party im positiven Sinne. Hier wurde nicht moralisch zelebriert
Hier wurde miteinander kommuniziert. Durch mitreißende Musik wurde zum Mitmachen, Klatschen und zum miteinander Fröhlich-sein aufgefordert. Und ich war so hin- und mitgerissen, dass ich fast schon vergessen hatte, dass ich in einer Messe bin. 
Als jedoch dann die Eucharistie-Feier in fast traditionellem Sinn und Habitus anhub, wurde es wieder so ein bissken feierlich wie früher. Wie zu der Zeit als ich un' Akki noch Messdiener waren und wir uns mal wieder übers Vaterunser stritten.

  • 'Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldi … gern'
  • Akki, dat heiß nich' Schuldi … gern. Dat heiß': Schuldigern.
  • Quatsch Günni, wat sollen denn Schuldigern sein. So wat gibbet doch ga' nich' … odder hasse scho'ma ein von die gesehn? Zun Beispiel auf'e Brücktor? Hasse da scho'ma 'n Schuldigern getroff'n. Da gibbet höchs'ens Arschlöchers.
  • Schuldiger sind die Leute, den anneren wat schulden, Akki.
  • Abber in Gebetbuch steht doch auch nich' Schuldiger sonnern SchuldiGERN
  • Ebendt.
  • Wat ebenst?
  • Kehr da steht Schuldigern. Zusammengeschrieben. Ein Woart! Hasset getz?
  • , Günni dat sin' Schuldis. Un' Schuldis sin' die Ulligen, die frühers zu den Jesus seine Zeiten inne Schule von Mesepopotanien musst'n. Dat iss, glaub'ich, inrnxwie Hebräsich odder Potamich odder so.
  • Un wieso steht dann noch gern da dran?
  • Hömma Günni, die war'n damals noch so blöd, dat die gern inne Schule gegangn'n sind. Also sollen wir die Schul-dis heute gern vergeb'n, weil die ebendt so beklopp war'n.
Der Priester kam schon ziemlich fromm im wallenden Talar inne Sakristei. Akki un' ich stritten mal widder darum, wer auf der Seite gehen durfte, wo die Glocke beim Einzug in die Kirche geläutet wurde. Akki gewann wie immer. Dann gings weiter feierlich unter donnernden Orgelklängen un'ne Klüsen von alle Mensch'n zum Altar. Vor dem Altar knieten wir (Priester, Akki und ich) andächtig. Vorne der Gebete murmelnde Priester. Wir seitlich zwei Stufen tiefer. 
Wir schlugen unsere Kreuze wie gewöhnlich. Aber irgendwie ging's nicht weiter. Der Priester versuchte dauernd sich von der Stufe zu erheben .. doch irgendetwas schien ihn daran zu hindern. Plötzlich sauste der Priester mit dem Oberkörper rum. Und klatschte Akki eine heftige Ohrfeige ins Gesicht. Akki sank von der Wucht der Ohrfeige getroffen zur Seite … und der Priester stand endlich auf und wir schritten mit heilig hochgereckten Nasen zum Altar. Akki bissken hinter uns mit weniger heiliger Nase aber mit knallroter Backe

Akki hatte wohl so intensiv über die Schuldigern nachgedacht, dass er dem Priester hint'n auf'm Talar gekniet hatte und der darum nicht wieder hoch kam. 
Nach der Messe sagte der Priester zu Akki: "Du schuldest mir eine Erklärung für Dein Verhalten auf der Altartreppe!!" Worauf Akki kurz meinte: "Ich Schuldi gern!" 
Zack … Zweite Ohrfeige! Und vier Wochen Weihrauchschwenkerverbot!

14.06.2015 Ommas klein Häusken in Alstaden. Die Sammeltassen .... und alle Kinners ab ... inne Zink-Badewanne.

Iss' nich' mein Omma, abber der Her sah so aus...
(Heute wieder eine Geschichte von Beate Wagner, in der sich zeigt (nicht in Beate sondern in der Geschichte), dass es oft die kleinen Dinge sind, ... die früheren Lebensgewohnheiten und vor allem die Ommas sind, die den Kindern das Leben so sehr versüßten, dass man/frau sich auch im Alter noch gerne daran zurück erinnert. Und die Kinder, die gute Ommas & Oppas erfahren haben, werden später oft selbst wieder gute Ommas und Oppas ...) ... aber lest selbst: 

Meine Omma wohnte in einem kleinen Zechenhäuschen. Vorne raus war ein kleiner Vorgarten mit ein paar Blümchen, drei Rosensträuchern und am Rand des kleinen Gartens ringsum Tagetes. Omma sagte immer "Stinkerlieschen" dazu. 
Dann kamen drei Stufen, die zur Haustür hoch führten. Diese drei Stufen waren eigentlich sowas wie Ommas Veranda. Da saß sie immer abends, genau wie all ihre Nachbarn auch. Und immer mit einem Kissen unterm Poppes, weil es sonst so kalt war am Steiß und so. Gelegentlich klönte sie dann mit Nachbarn, die vorbeikamen. Wir Kinder spielten auf der Straße und die Erwachsenen saßen auf der Stufenveranda und quatschten: Übers Wetter, über die Kohlenpreise und über die Blattläuse an den Rosen. 
Wenn man das Häuschen betrat, stand man zunächst in einem kleinen Flur. Von dort aus ging die Treppe nach oben. Links lag die Gute Stube. Die Tür zu diesem Zimmer wurde aber nur an Feiertagen geöffnet. Da gab es auch ein Sofa und einen Sessel mit Fußhocker. Wenn Omma Geburtstag hatte, durften wir da Kaffee trinken. Dann holte Omma die herrlichen Sammeltassen aus der Vitrine und stellte sie auf den Tisch. Jeder hatte eine andere. So schöne mit Blümskes und Goldrand. Das war Ommas bestes Geschirr. 
Es gab immer Streuselkuchen und Erdbeerboden mit Sahne. Die riesige Kaffeekanne thronte in der Mitte des Tisches. Natürlich mit Mütze zum Warmhalten. Wir Kinder bekamen Kakao. Nach dem Kaffee gab es einen Aufgesetzten für die Erwachsenen und Omma sachte dann in'ne Runde: "So, ich glaub die Blagens könnt'er getz ma zum Spielen schicken!" 
Es war ihr nämlich langsam zu laut geworden. Wir waren ja meistens zu acht. Da ging's schon mal heiß und eben auch laut her… Wir durften erst wiederkommen, wenn's Kartoffelsalat und Würstchen gab. Für die Erwachsenen wurde dann wieder in der Guten Stube gedeckt. Wir Kinder aber saßen in dem Alltags-Zimmer, in dem es kein Sofa gab, nur einen Tisch mit Stühlen. Diese Stube war eigentlich das meist genutzte Zimmer im Haus. Wenn man sich bei Omma traf, dann immer in der Stube
Hinter der Stube ging es dann zwei Stufen runter zur Küche. Die war ziemlich klein. Dort gab es einen Spülstein. Und genau in diesem Spülstein wurden auch immer die Jüngsten der Familie gebadet. Und ein riesiger schöner großer Kohleherd stand an der Wand mit dem dazu gehörigen krummen Ofenrohr. 

Bei meinen Eltern zu Hause wurde allerdings schon elektrisch gekocht. Längst nicht so schön wie bei Omma ... Und die Omma konnt kochen, sag ich Euch: LECKER! Besonders Himmel und Erde mit gebratener Blutwurst. Oder Ommas berühmtes Endivien-Durcheinander! 

Hinter der Küche gab es dann noch die Waschküche, wo der Kessel angeheizt wurde, damit auch die Größeren von uns baden konnten. Natürlich nur samstags und natürlich in einer großen stumpfen Zinkwanne. Und immer schön einer nach dem andern. Zwischendurch wurd immer bissken heißet Wasser nachgegossen, bis wir endlich alle sauber waren. 
Von der Waschküche aus kam man auch aufs Klo. Omma sachte immer noch "aufs Häuschen" obwohl sie nicht mehr raus musste, um zu müssen. Aber wenn man hinten aus der Waschküche raus ging, dann war man in Ommas Garten. Da gab es keine Wiese, oder schön angelegte Blumenbeete, da gab es einen Kirschbaum, Beerensträucher, Erdbeeren, Rhabarber, Kartoffeln, Salat, Erbsen Bohnen, Kohlrabi, ein Paar Kräuter für die Küche oder zum Tee kochen. 
Omma hatte für jedes Zipperlein den passenden Tee parat und zwischen drin immer wieder Blumen, Margareten, Astern, Dahlien, und…und…und. Ommas Häuschen war für mich das Paradies. 

Meine Schulfreunde machten mit ihren Familien Urlaub in Italien oder auf Mallorca, ich war bei Omma! Hab' nie was vermisst, bis heute … ?!? …., denn heute vermisse ich wirklich etwas, nämlich ganz sehnsuchtsvoll: Mein Omma und ihr klein Häusken!

13.06.2015 Schaufenster-Träume in Alstaden sind besser als Valium und Citalopram

Schaufenster Alleestraße

Gestern war'n wir noch in den richtigen Sommer. Dann kam die Nacht und Heute Morgen war erst einmal ... Dunst, Wolken, verhangen, Regen. Dat ging bissken auf'e Stimmung. Für den, der anfällig ist für Depperesjonen wie Heinz immer sacht.



Auch die beiden, Heinz mit sein Gerda, waren schlecht gelaunt: Aufstehen, Zähne putzen (abber nur Gerda, Heinz brauch' seine Zähne nur aus'n Wasserglas mit den Kuckidänt drinne zu hol'n) dann auch noch Köäpapflege: Waschen. 

Heinz wollte ers' ma' widder nich' Untenrum. Da hat Gerda so getan, als würd' sie stolpern, un' hat den Heinz der lauwarmen Kaffee aus ihre Tasse inne gefährliche Gegend von sein Motteck gekipp'. Da musst'er waschen. 



Un' geflucht hatt'er: 
- "Kehr, Gerda pass'och'auf!! Hab'mich doch ers' vor vier Tage, mit'n Waschlapp'n! Dat soll gaa' nicht gut für'e Haut sein!" 
- "Dat gilt abber nich für DIE Haut da, Du versoffene Pimmelstüte!" 

Dann sin'se raus …. zu die Alleestraße. Un' Gerda hat ihr'n Heinz in sein AOK-Schopper vor ihr'n Lieblingsschaufenster geschoben. Da wo die Träume im Fenster liegen.


  • Kumma, Gerda Schnübbelsken, kumma der schönen Leuch'turm?!
  • Ja, iss schön Heinz.
  • Kannze Dich noch erinnern, damals ganz früher's auf den Borkum?!
  • Kann'ich Heinzi.
  • Hömma Gerdapüppi, da hat'se immer son' Glanz inne Klüsen, wenn ich Dich im Arm nahm.
  • Kehr ich weiß Heinzi. Abber da hat's Du auch noch so'n richtigen KilloWatt voll Leucht in Dein Turm mit Strahlemann & Söhne inne Spitze … heut sin' dat abends nach fünf Pülleken Bier immer nur noch 5 Watt Sparlampe.
  • Kumma Gerda, die schön klein Dierkes in Fenster, Ent'n un' so?!
  • Ja, Heinzi … iss' doch schön hier unser Alstaden. Wir brauch'n nur vor der Lad'n hier un' schon simmer in den schönst'n Urlaub anne See.
  • Da hasse Rech' Gerda, dat gibbet nur hier!
  • Spür'se dat auch, mein Heinzi?!
  • Klar Schnübbelsk'n. Die Depperessjonens sin' wie wech verflog'n.

12.06.2015 Verschwommen an der Ruhr in Oberhausen ... die Dubbels, die Kippe und der Kuss auf'e Gerda

An der Ruhr anno 1940
Ja manno! Auch damals 1940 wurde an solchen Tagen wie heute schon tüchtig geschwommen und gebadet. Aber so richtige Freibäder gab es noch nicht. Und meist waren es die Jungen, die runter zur Ruhr gingen, um dort im Wasser sich wechselseitig ihren Mut zu beweisen.

Mit der Straßenbahn dahin. Zu teuer. 
- "Mudder gib'ma Geld für'e Bahn!" 
- "Äh, sach'ma' bisse getz ganz übbergeschnapp?! Ich muss für der Vadder noch'e Stumpen kauf'n, un' dat Bier für nach'e Aa'beit. Da bleib nix. Weiße doch?!! Zieh'Dich'e Latsch'n anne Maukens un' lauf!"

So war das damals. Dann wurde aus'm Keller dat alte Fahrrad mitti die lockere Kette, die immer absprang geholt. Ohne Reif'n nur die Felge. Einer vorne auf'e Lenkstange, der andere inne Mitte auf'e Pedale, der Dritte hinten an der Gepäckträger. Der hielt erst dat Fahrrad, schob et an, bis der inne Mitte in Tritt kam un' sprang dann auf der Gepäckträger
Zwischendurch wurde gewechselt. Und wenn sie nich' von den Schutzmann Kowalski erwischt und zusammen gestaucht wurden, kamen sie an der Ruhr an. Die Büchs wech! Dat Hemb aus! Un' platschtich inne Unnerbüchs inne Ruhr.

Volle Backens Spassss war dat. Wasserkämpfe auf der Schulter des anderen gegen zwei andere Ritters in den Wasser. Tauchen bis die Augen brannten. Pissen inne Ruhr. Scheiß'n hinter den Gebüsch. Kalla hatte Dubbels von sein Mudder dabei und Heinzi hatte sein Vadder ne Kippe geklaut. Erwin hatte dat kostbare Streichholz und Willi die Reibfläche. Und zwei von uns reihert'n nach drei Züge anne Kippe die schöne Dubbels von Kalla sein Mudder widder aus. Doch im Wasser hatten sie schon wieder vergessen, dass ihnen eben kotzübel von der Zigarette war und sie noch weit davon entfernt waren erwachsen zu sein.

"Mensch los! ALLE rübber auf'e annere Seite vonne Ruhr. Los getz. Der Letz'e muss dat fette Gerda auf'e Schnauze knutsch'n un' an der fetten Arsch packen!!!!!
Heinzi wurde Letzter … er wurde gerne Letzter … und er wurde immer Letzter … und Gerda war glücklich, dass Heinzi Letzter wurde …

Gerda wurde älter und schlanker. Aus Heinzi wurde Heinz un' ein' Berchmann. Beide wurden ein Paar
Heute versucht Heinz mit sein' AOK-Schopper in Bus zu sein Freund Kalla auf'n Bier zu fahr'n. Und Gerda? Gerda putzt & bohnert dat kleine Berchmannshäusken so lange, bis'se Mäuskens auf'n gebohnerten Boden "Schlittschuh" laufen könn'.

11.06.2015 Mit Schenkels von mein Schnübbelsken un' die Sonne von den Oberhausen



Ja, lecker Hähnchen, lecker Haxen, lecker Schenkel, lecker Eis … lecker, lecker … dat iss getz die Dewiese … et brät bei die Sonne doch schon allet von selbs, ey … musse ga'nix mach'n … bloß schön einkräm'n … un'ne Möpse nich' vergessen, mein Mattka, sonz krisse rote Backen anne Äppelkes, Schnübbelsken … mensch kumma' da die satte Mudder auf'e Straße mitti schön fettige pralle Schenkels oben ...  un' so weiters ... an ihre ganze Beine dranne … JungeJunge … die hattet abber poppichproppich … kann in ihr'n eigenen Fett brat'n …. un' kumma' kumma schnell die Ullige da mit den lecker Eis an dat ganze Schnüsken … kehr für zu'n Abschleck'n schön, kehr … un' kumma, kumma … Mensch kumma … der Ollen da, wie der mit Schmackes in der heiß'n Haxen beiß', als gäbet kein Morgen … odder als würd' die von der Leyen mit den G37 den Ollen der Broiler auße Hand schieß'n .. dirreck, paff, krumm umme Ecke .. dat geht ja mit dat Gewähr … dafür iss dat extra so gebaut ....

Allet klasse bei den Wetter. Iss Kaiserwetter. Komm Möpsken wir geh'n na'm Kaisergaaten … oder an der RheinHerne, Schiffe glotz'n … bissken KäseMauken in dat Wasser plätschern tun …?!… odder da in der kleine Zoo, Tierkes knipsen … oder einfach ma auf'e Wiese lieg'n, bisken schnübbeln un' bisken schmusen … 
... hömma, ey, iss dat warm, ey, in der Bus, ey, kannze ja nich aushalt'n … un' die ganz'n Migration' dabei, kumma der Näger da, ob den bei dat Wetter auch waa'rm iss? … nix gegen Nägers und Migrationens un' so, abber datt Wetter iss doch wie für die gemach', wat …??! .. hömma, Du, getz mach'n die schon extra Wetter für die … dat iss Integrazion … hömma .. da steh ich voll wie ein Mann hinter … 

… komm raus, Pillemäusken, komm aus der Bus, komm hier, man iss dat 'ne Hitze, ey, geh'se kapputt von, ey, geh'se glatt kaputt von … hömma, … komm schnell, getz geh'ma' auf unser Balkon … schön kalt Bierken, dazu der Broiler .. komm entlich Hümmelken, komm mit Deine Schenkels, hab schon Sternkes inne Klüsen, hömma, wat?, dat iss doch Leb'n wat, da kannze nich meckern, dat iss allet echt, allet Obberhaus'n, allet von Feinst'n, mach'ma Radio … 
... ach Scheiße nä, mach widder aus .. nur Griechens, Drohnens, un' die Äffkes in Ghanistan mit ihre Attetaten un' die Flüchtlings … un' die Süringer ... wie'se in den Mittelmeer absauf'n … nä .. dat willich getz nich' … mach aus, Schlemmerschnittken, un' setz Dich mit Dein Föttken bei der Papa au'm Schoß hier, komma bisken Hoppereiter … da geht' mich abber der Hut hoch … jungejunge … dat iss Leben, dat iss Sonnenschein, dat iss wie "Fifti Schäids auf Gräih" … nur in Faa'rbe … kehr, da juck der Teufel doch glatt die Poperzehumbatäte un' tärääää mit Mutterklötzkes .. dat Lebe'n iss zu schön zu'n aarbeit'n … lammer Hartz IV machen … morgen geh'se gleich au'm Amp, Schätzken ... 

10.06.2015 Pellet-Zeit ist höchste Zeit. Wir müssen in Oberhausen die Zeit nutzen! Nicht vertrödeln ... lassen ... durch Politiker!

Heiz-Pellet-Anlage Rechenacker
Gleiche Anlage wie oben etwas früher im Jahr

Gestern wurde von Beate Wagner sehr anschaulich über die Dehnung und Verkürzung von Zeit geschrieben. Über subjektives Zeit-Empfinden muss man wohl besser sagen. Denn Zeit physikalisch und als Maßeinheit betrachtet, bleibt ja in der Regel immer gleich. Ich lasse hier die Einsteinsche Relativitätstheorie einmal unberücksichtigt … denn sie ist nicht gerade hilfreich bei unseren alltäglichen Handlungen … und 5-Minuten-Eier müssen heute noch genau so lange gekocht werden wie die 5-Minuten-Eier, die der 'Berchmann 1952 mit auf'e Schicht nahm zu'n lecker Essen' und wie die 5-Minuten-Eier, die Einstein selbst aß ... oder hatte!

DIE ZEIT VERGEHT EINFACH …. und wir messen sie zum Beispiel auch daran, was in der Zeit, die so einfach vergeht, passiert. Sowohl positiv als auch negativ.

Vor einiger Zeit - um genau zu sein im Februar - haben wir in diesem Blog mehrfach darüber berichtet, was am Rechenacker mit der Pellet-Heizanlage geschieht. 
  • Wir haben darüber berichtet, dass die Bürger mal wieder nicht informiert waren. 
  • Wir haben darüber berichtet, dass ihnen etwas im Vorfeld zugesagt wurde, was dann wieder einmal von der EVO/OGM und der Stadt nicht eingehalten wurde. 
  • Wir haben über den Protest der Bürgerinitiative "Rechenacker" berichtet. 
  • Wir haben über die Info-Veranstaltung der EVO und Stadt vom Februar berichtet. Und … 
  • Wir haben damals schon unsere Skepsis geäußert, gegenüber den vollmundigen Ankündigungen der verantwortlichen Politiker. Und  ... 
  • Wir haben darauf hingewiesen, dass nur etwas geändert werden kann, wenn Öffentlichkeit hergestellt wird.
Die Zeit verstrich. Die OGM & die Stadt ließen sozusagen einfach die alte Schleuder von Beates Mutter laufen. Stellten die Waschmaschine an. Gingen weiter in Oberhausen marode Immobilien einkaufen. Schwätzten dumm im Rat herum. Versuchten und versuchen ihre OB-Kandidaten nach vorne zu bringen. Die Parteien beschimpften sich während dieser Zeit wechselseitig. Und der Rat der Stadt Oberhausen nutzte die Zeit um sie zu entschleunigen, das heißt, um weiterhin einfach nichts zu tun.
Das nennt man Zeit verstreichen lassen oder wie es so Gesäß-freundlich in der Politik genannt wird: AUSSITZEN.
Das Ergebnis ist auf den Bilden oben zu sehen. Die Zeit verstrich. Es tat sich nichts. Die Zeit wird weiter verstreichen und es wird sich weiterhin nichts tun. Es gibt also:
  • Schöne Zeiten
  • Jahres-Zeiten
  • Spannende Zeiten
  • Goldene Zeiten
  • Uhr-Zeiten 
  • Ge-Zeiten
und es gibt neben all diesen nicht vollständig aufgeführten Zeiten die:

Politischen Zeiten! = ungenutzte Zeiten = "vertu"-Zeiten

Und genau diese Politischen Zeiten sind die Zeiten, die WIR BÜRGER VON OBERHAUSEN verkürzen und vielleicht sogar anhalten müssen.
Die ZEIT IN OBERHAUSEN ist UNSERE ZEIT - meine und EURE ZEIT - lasst sie uns NUTZEN und unterstützt nur die Politiker, von denen ihr sicher sein könnt, dass sie die ZEIT in UNSEREM SINNE SINNVOLL NUTZEN!

09.06.2015 Kinners, wo isse Zeit geblieben - schleudernde Zeitmaschinen in Oberhausen direkt in die GUTE ALTE ZEIT


(Text und Bild Beate Wagner)


Früher war eine Stunde länger als heute. Ganz bestimmt!

Sie hatte zwar immer schon 60 Minuten, aber wenn die Stunde früher genau so lang war wie heute, dann müssen früher einfach die Minuten länger gewesen sein. Anders geht das doch nicht?! Früher müssen die Menschen mehr Zeit gehabt haben, und das, obgleich ihre Arbeitszeit länger war. Irgendetwas stimmt da doch mit der Zeit nicht?
Mein Vater arbeitete damals als Busfahrer. Wenn er von der Arbeit kam, brauchte er zunächst mal ein bisschen Pause. Aber nach dem Päusken hatte er Zeit, 
  • mein Fahrrad zu reparieren, 
  • mit meinem Bruder zu spielen, 
  • mit meiner Mutter zum Einkaufen zu fahren, 
  • das Auto zu waschen, 
  • zu essen, 
  • zu duschen und 
  • um 20:00 Uhr vor dem Fernseher zu sitzen, um Herrn Koeppke bei den Nachrichten zuzuhören. 

Ich habe immer den Eindruck, heute ist eine Stunde soooo kurz geworden, dass man eigentlich nach der Arbeit und der kurzen Pause, die man sich gönnt, direkt vor den Fernseher hüpfen muss, weil die 20:00 Uhr Nachrichten fast schon begonnen haben und man die auf keinen Fall verpassen darf.

Meine Mutter war Hausfrau. Auch sie hatte früher mehr Zeit. Wir hatten weder eine Spülmaschine noch einen Wäschetrockner. Der Fussboden musste nach dem Wischen immer noch gebohnert werden. Geheizt wurde mit Kohle. Also runter in den Keller:
  • Kohlen holen, 
  • Asche rausbringen, 
  • den Ofen anheizen. 
Waschen tat zwar die Waschmaschine, aber zum Schleudern brauchte man eine separate Schleuder. Ein lustiges Teil. Und immer wenn meine Mutter im Keller "Ach du liebes bisschen!" rief, war die Schleuder wieder von der Schüssel weg gehüpft, die das Wasser auffing. Und das wallte dann, wie das Wasser beim Zauberlehrling, durch die gesamte Waschküche. Das Aufhängen der Wäsche brauchte natürlich auch seine Zeit. Aber trotzdem konnte meine Mutter einen halben Vormittag einkaufen gehen. Das dauerte schon alleine deswegen so lange, weil man ja in zig Läden musste. Dann noch'n bissken mit der Nachbarin quatschen …  und nach all dem stand das Mittagessen trotzdem pünktlich auf dem Tisch.
Mutter ging zum Kaffeetrinken im Kindergarten. Zwei Stunden lang. Und sie schaffte es dennoch, die Wäsche wieder abzunehmen, im Wohnzimmer Staub zu wischen und mit uns in den Ruhrpark zu gehen. Also irgendetwas muss an der Zeit früher anders gewesen sein? Wenn's nicht die Minuten waren und nicht Sekunden gewesen sein können? Was war's denn sonst?

Also gibt es nur eine logische Erklärung dafür: Früher war eine Stunde eben einfach länger! Oder vielleicht ist es ja auch so, dass die Stunden heute einfach erheblich kürzer sind?

Heute hört man einen Satz viel zu oft: 

  • "ICH HAB KEINE ZEIT!" 

Ich kann am Computer lange mit meiner Freundin schreiben, aber wir haben keine Zeit uns auf einen Kaffee zu treffen. Ich sehe Frauen auf dem Spielplatz stehen, weil sie keine Zeit mehr haben, sich auf die Bank zu setzen und den Kindern beim Spielen zuzuschauen. Ich sehe sie am Sandkasten stehen und sagen: “Komm Justin, du hast jetzt genug gerutscht, wir müssen nach Hause, ich habe keine Zeit mehr, ich muss noch waschen!” 

Eigentlich komisch. Das Beladen der Waschmaschine dauert 5 Minuten, dann arbeitet die Maschine zwei Stunden, ohne dass man daneben stehen muss. Also zwei Stunden Zeit zum Spielen! Aber wo sind diese zwei Stunden? Vielleicht waren früher die Stunden gar nicht länger, sondern die Menschen haben ihre Zeit nur besser und sinnvoller eingeteilt?

Wenn ich meine Zeit am Computer brauche, um ausschließlich mit meiner Freundin zu schreiben, ohne noch zusätzlich etwas anderes zu erledigen; dann kann ich doch auch gleich zu ihr fahren. Das dauert auch nur 5 Minuten länger, denn weiter ist der Weg zu ihr nicht. Und wenn ich die Waschmaschine einschalte und dann auf den Spielplatz gehe, hab ich zwei Stunden gewonnen, um mit meinem Kind zu spielen. So einfach kann das sein.
Maschinen erleichtern uns sicherlich die Arbeit. Aber die Zeit, die wir dadurch gewinnen, sollten wir unbedingt mit Menschen verbringen. Doch dummerweise nutzen wir die gewonnenene Zeit nur, um wieder mit Maschinen Kontakt zu haben und eben nicht mit Menschen. Ich bin leider, muss ich zu meiner Schande gestehen, keine Ausnahme. 


Als es diese ganzen, vielen Maschinen, die Medien- und Unterhaltungsgeräte noch nicht gab, da hatten wir wirklich Zeit für einander. Darum wünsche ich sie mir manchmal zurück: DIE GUTE ALTE ZEIT. 

08.06.2015 Ein Stück Oberhausen - Ein Stück Vernachlässigung - Ein Stück Herzlosigkeit

Bus-Bahnhof OBERHAUSEN
Machen wir doch einfach weiter mit unserer 'Serie'Oberhausen ist schöner & besser als sein Ruf. 
Ruf?!? Wer ruft denn hier genau? Na WIR. Wir Oberhausener. Und wir … wir rufen immer schön rein. So, wie man in den Wald ruft! Aber nix kommt so schön raus, wie wir's reinrufen. Denn alles, was schön ist in Oberhausen, war bereits da! War schon da, bevor wir gerufen haben. Und mehr kommt einfach nicht.

Wir konnten es Gestern an den "Alten" sehen. 
Da wurde also mal ein Artikel von einem "Alten" für die 70 bis 95-Jährigen veröffentlicht. Dieser Beitrag befasste sich damit, wie es um die Befindlichkeit der älteren MitBürger hier in Oberhausen steht. 
Und die Resonanz war überwältigend. Viele dieser 'Alten' ließen die Jüngeren in ihren Familien über ihre Eindrücke per Mail an alstaden@ich.ms schreiben und bedankten sich dafür, dass da endlich mal jemand Zeit und Worte gefunden habe, über ihre Schwierigkeiten zu schreiben. 
  • Die Schwierigkeiten mit der STOAG
  • der Verwahrlosung ihrer Stadt, 
  • der Vernachlässigung ihrer geliebten Markt- und Elsässerstraße und 
  • über ihre Angst als älterer Mensch am Abend durch Oberhausen zu spazieren.
Stellvertretend für die vielen Zusendungen drucken wir hier folgenden Leser-Brief ab, der zur besseren Verstehbarkeit leicht geändert wurde:

"Lieber Herr Alstadenblog, 
ich und meine Frau lese auch immer noch WAZ und was der Herr Schimaniak über Polletik da sagt, aber bisher hat noch keiner richtich über uns geschrieben. Ich meine die Alten. Dafür noch mal ein Danke für Sie. 
Allen von den Oberen sagen hier immer, das die alles für uns tun. Aber für uns spiziell die Alten tun die nichs
Als ich letzens mal mit meine Frau an Rehmer stand, war ein Sonntag an Nachmittag. Ist auch bei uns der Bus einfach vorbei gefahren. Meine Frau hat mit Schirm gewädelt. 
Auch ist öfter paßiert, das wir an Zeche Alstaden nicht raußgelassen wurden. wir haben laut gerufen haben hat der Fahrer gerufen. Sie müssen Knopf drücken. Das haben wir aber getan. Ehrlich. Meine Frau ist mein Zeuge. Wir mussten dann von Blockstraße der ganzen Wech zurücklaufen
Mein Frau hat das ihre Freundin in Meinickehaus erzählt und die hat gesagt, das ihr dat schon mit einen ganz vollgeladenen ganz schweren Einkaufs-Trulli passiert ist. 
In Stadt fahren wir aus ihre genannte Gründe auch nicht mehr. Einmal fährt der Bus immer sehr ruckelich und mein Frau ist schwach auf ihre Beine. Artrose und Aposteoperose. Und dann ist auch die Bettelei auf die Marktstraße nicht schön und es ist kein Geschäft mehr da für uns. Auch nicht zun kucken und pummeln
Und in die neue Mitte und den Centro gehen wir nicht. Zu Viele Leute und Hecktick. Rolltreppe isst auch schwer.
Auch am Aldi bei uns in Viertel stehen Bettler mit dise gewiße Zeitung und ich geb den immer ein Euro, weil ich muss. Ich will aber eigentlich nicht. Trau mich aber nich.
Und noch zu den Schluss. 
Die Besoffene an viel Haltestelle, finden wir schlimm. Gröllen und sind laut und riechen schlecht und machen Angs. Und die sitzen immer und wir als Alten müssen immer stehen
Aber in Bus ist genau so. Einmal bin ich von ein junge Frau mit komische Haare und Pörßing an Nase bei Aussteigen umgeschuppst
Noch mal ein Dankeschön. Viel Ervolk für ihren Internetz. Mein Frau und ich lesen das auf den Tablett. haben wir von mein Enekl bekommenen. der hat bei den Schreib jetz mal geholfen. Aber mein Frau hat den Verboten viel zu ändern. Wir sind einfach Leute." (Hervorhebungen von HGE)

Hochachtungsvoll
U*** und H***  I*** (Initialen randomisiert)

07.06.2015 Oberhausen schön ... na ja, FiftyFifty ... ApoSchrastonz ...

OBERHAUSEN Symbol-Bild
Ich hatte mir ja schon vor einer ganzen Weile vorgenommen nur noch positiv über Oberhausen zu schreiben. Meine Co-Autorinnen & ich haben sich auch daran gehalten. Entweder positiv über OB oder Geschichten aus OB, die die Lage in OB eigentlich nur streifen oder gar nicht berühren, oder übberhaup nich' über OB.

OBer-ABer es klappt nicht. Wann immer man durch die Innenstadt von Oberhausen geht, überkommt einen - auch an solch schönen Sonnentagen wie in der letzten Zeit - so etwas wie eine unbestimmte, kaum fassbare Traurigkeit & Wehmut. Zunächst dachte ich, es liege vielleicht nur daran, dass ich so lange - nämlich 45 Jahre - von Oberhausen fort war. Und ich mich darum erst noch eingewöhnen müsse. Ich hab's versucht. Ich habe es wirklich jetzt in den letzten zwei Jahren aufrichtig versucht. Aber es geht nicht. Es wird nicht besser.
Natürlich hat Oberhausen seinen Reiz und es gibt eine Menge schöner "Ecken, Flecken und Plätze" hier in OB, die auch ich gerne besuche und nun nicht mehr missen möchte. Doch was mir wirklich fehlt, ist das heimatlich heimische Ambiente einer Innenstadt. So wie ich es aus Brühl, Bonn oder Köln kenne. 

Gestern saß ich an einem der mir von früher her noch lieben Plätze. Vor dem Café Bauer. Ich hatte dort wie immer eine Wiener Apfelschnitte mit Sahne und einen Kaffee bestellt. Am Nebentisch zwei "ältere Herren" - wie man früher sagte (heute hört man oft: "olle Knöppe!" -, die sich über "Ihr Stück Innenstadt" unterhielten.

- Nä, Heinz mich gefällt dat nich mehr so richtich hier.
- Kehr, wem sach'se dat Kalle, ich geh mit mein Ulla auch nich mehr gern auf'e Maarkstraße.
- Übberall wirß'e angequatsch wegen die fifti-fifti. Die Spaselacken hatten der Erwin letzens so bedränk, dat der widder schnell nach zu Haus wollt'. Der iss' gaa' nich' mehr zu mich hier zu'n Bauer gekomm'n. Der hat richtich Angs' vor die FiftiFiftiFrau gehab'. Die iss der Erwin die halbe Maarkstr hinterher. Der Erwin in seine Angs' immer schneller, biss er auf'e Schnauze gefall'n iss. Ich hab'n gestern in EKO besuch'. Knie kaputt!! Die arme Socke.
- Wat iss dat ei'ntlich "Fiffi ....  Fiffi"? Ich dacht immer, die woll'n Papiertüt'n für'e Scheiße von Fiffi's verkauf'n, damitte Maarkstraße wenigst'ns sauber bleib.
- Dat ist eigentlich 'ne Zeitung vonne Obachtlosen aus Düsseldorf. Abber getz hasse immer nur die Bettlers auf'e Maarkstraße an Hals. Un' die ha'm gaa' kein Ausweis von der FiftiFifti!
- Kehr nä, hömma ... kumma wennze hier getz rübber kucks. Wat sieh's. Nur'n leeren Laden. Kuck's links auf'e Straße ... leer un' noch' mehr leere Schaufenster, kuck'se rechts auf'e Straße ... auch nich' besser. Un' geh'se nach'n lecker Täsken Bier abends widder nach zu Hause, muss'e Angs' ha'm, datte ein übber'e Rübe kriss.
- Un' mitti STOAG komm'se auch nich mehr nach Haus. Entweder fährt der an Dich anne Haltestelle vobei, wie letzens widder, obwohl ich mit mein Krückstock gewink hab. Odder hält nich anne Zeche Alstad'n un tut'so als hätt'ich als ein alt'n verkalkt'n Mensch nich' auf der Knopp gedrück. ICH WILL MEIN OBBERHAUSEN ZURÜCK!!!
- Mann Heinz bald sind wir auf'n Alstadener Friedhof. Dann iss'  schön Ruhe un' du lieg's widder inne BerchmannsErde.

06.06.2015 Musik aus Opernhausen. Mein Erstes Mal mit Senioren ...


ABBA
(Heute schreibt mal wieder Beate Wagner als Gastautorin. Sie hat als Heranwachsende ein Wahnsinns-Erlebnis gemacht. Und sie wagt es! Sie schreibt doch tatsächlich hier und öffentlich und exklusiv über ihre ERSTES MAL. (...) Aber lest selbst):

Es war Mitte der 70er. Da war ich das erste Mal im Oberhausener Theater. Mit meiner Omma. Es war Seniorenvorstellung. Das ganze Theater voller, alter Menschen. Bepackt mit Thermoskanne, Bütterken und Apfelstückchen. Und ich - eine unmotivierte, höchst gelangweilte 12 jährige - mittendrinne. Ein junges Mädchen, das eigentlich mit Theater noch "übberhaup nix" an ihren jungen Kopp hatte. Was sollte ich da? 
Omma meinte: "Kind, da wird schön Musick gemach'!" Daaaa also sollte Musik drinne sein. Aber wat für Musik? Ich stand auf ABBA, Smokey und die Bay City Rollers! ....aber doch nich' auf sowat wie Lortzing?! Wat für'n bescheuerten Name?!? LORTZING! Von der Gruppe hatte ich noch nie gehört. Klang auch irngswie gar nich' nach Englisch. "Komma ruhich mitte Omma mit, Kind, dat wird dich schon Spass machen! Iss Zar und Zimmermann, von den Lortzing." - "Spar der Zimmermann?!" - Kehr, hieß dat nicht irgendwie 'mit die Axt in Hause spar'se … so wat wie der Zimmermann?!? Na, egal! Wenn Omma dat wollte, dann musste dat Kind mit.
Im Theater. Na klar ..... getz gabet Spass, bei 'ner Seniorenparty ..... Da saß ich nu' …. Doch dann ging der Vorhang auf. Das Orchester spielte die ersten Töne …. und? … wat soll'ich sag'n?: Um mich war's geschehen! Noch nie hatte ich so'ne tolle Musik gehört. Die Omis um mich herum waren vergessen und ich hatte nur noch Augen und Ohren für "o sancta justitia"; "Heil sei der Tag, an dem du hier bei uns erschienen" und vor allem "Einst spielt ich mit Zepter, mit Krone und Stern". 

Ich erinnere mich noch genau an den Schluss. Der Zar wollte wieder zurück nach Russland … natürlich mip'm Schiff. Und da gab's auch tatsächlich noch'n Schiff im Theater. Der Rang an der Bühne war gesperrt und an der Brüstung hing die Kulisse eines riesigen Schiffes. Oben drauf der Zar! Er winkte noch'ma zum Volk und zu die Ommas un' Opas im Theater und dann war'er auch schon wech. 
Nach dem Schlussapplaus merkte ich erst so richtig wieder, wo ich war?! Ich war doch tatsächlich in der Seniorenvorstellung von diesem Lortzing. Im Theater! Hätt'ich nie für möglich gehalten und spannend & schön war'et auch. Und dat ganz ohne Abba, Smokey und die Bay City Rollers!!
Von diesem Zeitpunkt an war ich quasi Dauergast im Musiktheater. Erst Schülerabo, später normales Abo … und ich hab alles mitgenommen, egal ob Oper, Operette oder Musical. Bis zum Schluss! 
Und plötzlich gab es auch kein Musiktheater mehr in Oberhausen. Ich hab's daraufhin in Duisburg probiert, aber das war mir zu versnobt. In Oberhausen war das Musiktheater für jedermann. Das heißt aber nicht, dass es nicht ohne Anspruch war. Es waren Inszenierungen mit einem ganz besonderen Charme. Einem Charme, den ich bis jetzt noch nirgendwo anders gefunden habe. Vielleicht vergleichbar mit dem Charme, der immer mit dem Ersten Mal verbunden ist?!

Heute gibt es das Schauspiel in Oberhausen. Ich finde es sehr gut. Doch ich trauere immer noch "Zar und Zimmerman", "Fidelio", "Blume von Hawaii" und "Evita" nach. Aber besonders trauere ich der ersten Aufführung, die ich mit Omma und all den begeisterten und mich begeisternden Senioren erlebte, nach. Der Aufführung, die mir die Welt des Theaters und der Musik eröffnete. Der Aufführung, die mir sozusagen das Brett vom Kopf riss, um mir die Bretter, die die Welt bedeuten, zu eröffnen; und diese fest - wie eben ein Zimmermann das gemeinhin so macht - in mein Herz zu nagelte.

05.06.2015 Sensation: WAZ'n Glück! Denn wirkliches Glück glückt nur in Oberhausen. Und zwar immer dann, wenn die Politik sich raushält.


Übberall bei'e Mensch'n in Oberhausen

Nur auf'e Maaarkstraße
Genau das ist es, was wir brauchen in Oberhausen. Wir brauchen GLÜCK! Und wir brauchen die Sensationen. Die wirklichen, die richtigen, die sensationellen Sensationen. Wie zum Beispiel zurzeit dieses sensationelle Glyx-Wetter. Outdoor-Wetter mit Outlet-Wetter ohne Donner-Wetter … abber mit tolle bunte Boote, und zwar mit die schönz'n Angebote:
  • Kehr, hau mich wech, ey. Kumma da kommp der Peek mit sein Cloppenburg inne Hose!
  • Hömma, iss' doch töff. Ich kauf mich schnell so'n weißet Schört für kaum Geld abber mit ganze halbe Arme, un' app die Post an'ne Marina.
  • Wat mach'se denn da?
  • Lutsch'n kucken, iss doch klaa'! Kuck'n wie die da in ihre kurze Röckskes und in ihre supageile  knackich knappe  Obateile 'rumwippallameppellawenzeln'.
  • Wat?! … Du ollen Knopp. Krisse da nich' Ärga mit Dein Gerda?!
  • Ich als ein Heinz Koslowski bin ein freien Mensch in ein freien Oberhausen, un' wenn die Hühners frei rumlauf'n, dann kuck'ich die mit freie Klüsen auf'e freie Schenkels, da mach'se nix dran .. auch dat Gerda nich'!
  • Na dann?! Wenn dat so iss' … Komm lamma geh'n?!!!
  • Geeerda, Schnübbelsken … ich bin mit der Kalla ma' los auf'e Marina!
  • Nix da, Heinz Du bleibs, woße biss'. Du willz Dich da nur widder stielige Klüsens mach'n. Un wennze zurück kommps, bisse so bockich wie der Kläffer von'ne Urbaniaks von nebenan, un' willz mich anne Wäsche!!
  • Abber Gearda….Mäusken ich kuck gaa' … ich nimm doch der starke Sonn'brill, da seh ich doch gaa nix.
  • Kehr, Heinz, wat Du nich kuck'n sollz anne Frauens, hasse bis getz immer noch geseh'n.
  • Wat soll'ich denn hier? Du putz'doch der ganze Tach,  da bin'ich Dich doch nur in Weech?!
  • Kumma Heinz, hier, die Zeitung! Du kannz mich wat aus'se GlücksWAZ vorles'n. Entlich ma' nur schön Nachrichtens un' nich immer so'n Terror- un' GriechenScheiß … Ich kannet nich' mehr hör'n. Davon kommp auch immer dat kalte, usselige Wetter und die Molesse mit Dein Hämmeried'n. Bleib'Du 'ma' schön bei Dein Gerda! Un' wennze schön brav bis, un' mich schön glücklich vorlies', darf'se mich villeich auch ma' an mein Pöter dran pack'n!!
Und es scheint wirklich so zu sein. Wenn man es nur will kann man tatsächlicher glücklicher werden als man eh als Oberhausener schon immer ist. Selbst Schranz & Aposto lagen sich letztens in den Armen und weinten vor Glück .... einfach ma' Abstand nehmen von den üblen Nachrichten nach dem Motto: 

Singen, lachen, hüpfen, springen 
abends mit die Liebste ringen, 
dat dat Glück auf beide Seiten 
mit Hochgefühl kann Lust beReiten.

(gerdichtet von Heinz Koslowski nach ein' schön'n GlückAuf, sieben GlücksPils un' zwei Esslöffels GlyxKlee mit SchluckAuf … gerührt abber nich' geschüttelt)

04.06.2015 Oberhausen und der Graf Zeppelin, das Orangenbäumchen, Akki, Heinzi und der fette Helmut.


Schienenzeppelin in Oberhausen 1931

Er iss' schon drinne und wartet auf Ihr


Beides Mal der gleiche Name: GRAF ZEPPELIN

Auf beiden Bildern ist ein Zeppelin dargestellt. Und doch sind sie so sehr verschieden. Oder auch nicht?!?? 
Der eine, DER SCHIENENZEPPELIN rast wie wild auf seiner Jungfernfahrt 1931 mit 230 Sachen durch Oberhausen
Und im anderen rast das Herz mit 180 Sachen; während ein junger Mann seine Angebetete zum ersten wirklich ernsthaften, richtigen, vielversprechenden Rendezvous im Restaurant "Graf Zeppelin" hier in Oberhausen sehnlichst erwartet.
Der eine kam schnell und pünktlich. Die Angebetete jedoch langsam und verspätet und schon kurz nach der Heirat, als es so richtig losgehen sollte, kam sie gar nicht mehr. Was aber nicht heißt, dass sie nicht da war. Sie war nur - jedenfalls in Gedanken - bei etwas ganz anderem, sodass ihr das Kommen nicht so recht kam
Aber die Kinderlein, die kamen fast so regelmäßig wie es der Eisprung bei ihr zuließ. Und sein in die Jahre kommender Zeppelin wurde zusehends zum "Zappelin" und fuhr irgendwann regelmäßig, schnell und stoßweise in fremde Bahnhöfe ein. 
Doch zum Schluss kamen sie dann endlich. Und das sogar beide zusammen. Und zwar auf den Alstadener Friedhof.

Heinzi, der schmächtigste immer etwas kränkelnde Junge in unserer Klasse hatte von seiner Patentante zur "Kommelion" und zum Trost für und gegen die Widrigkeiten in der Welt ein Orangenbäumchen geschenkt bekommen. 
"Wat hass Du denn zu Kommilion bekomm'?, fragte Akki den Heinzi. - 
"Ach nix", meinte Heinzi schüchtern, der immer eine unberechtigte Furcht vor Akki hatte, denn Akki schlug keine Schwächlinge, "nur'n Orangenbäumchen." - 
"Kehr, wat is dat den widder für'n Scheiß?, 'n Orangschenbäumchen? … sowat gibbet doch gar nicht! Willze mich etwa verscheißern. Orangschen gibbet nur Weihnachten aus  den Afrika!" - 
"Nö", entgegnete Heinzi zaghaft, "kann'ich Dich zeig'n, bring ich Morgen mit inne Schule."

Am nächsten Morgen stand Heinzi stolz aber auch ängstlich mit seinem Orangenbäumchen in der Klasse. Akki guckte und staunte nicht schlecht, denn an dem Orangenbäumchen leuchtete ganz klein, ganz rund, ganz zart eine kleine Orange
"Dat gibbet ga nich', rief Akki, "darf ich da ma bissken mit mein Finger dran?" 
Heinzi wurde vor Angst kreidebleich stimmte aber zu. Akki ging mip'm Finger in etwa so an die kleine Orange wie er immer mal wieder (versuchte) an die Orange bei die Mädchens zu gehen, nämlich mit schauernder Neugierde & eingezogenem Kopf, weil er bei seinem sündigen Tun jederzeit die Hand Gottes auf sich niedersausen erwartete. 
Akki berührte die Orange, sagte ehrfürchtig: "TÖFF" und trat zurück. Heinzi war erleichert. 
Dann fragte der fette Helmut: "Darf'ich au'ma'?" Heinzi nickte. 

Helmut näherte sich mit seinen fetten Wurstfingern der kleinen Orange und riss sie einfach ab. Heinzi kreischte vor Seelenschmerz und Helmut drehte sich triumphierend, die kleine Orange zerquetschend, zu uns um. Doch in seinem feisten Gesicht erstarb das Lachen, als er Akkis Faust auf seine Nase zu rasen sah. Akki steigerte sich beim Prügeln so sehr in seinen Zorn hinein, dass er nur noch von unserem Lehrer, der gerade die Klasse betrat, gestoppt werden konnte. Nach der Schule musste der fette Helmut dem Akki unter fürchterlichster Strafandrohung versprechen, dass er sich bei dem schwächelnden & kränkelnden Heinzi entschuldige.

Drei Tage nach der schmählichen Tat von Helmut, sagte dieser, er habe sich bei Heinzi entschuldigt. Aber Heinzi war nach dieser vermeintlichen Entschuldigung nicht mehr in der Klasse erschienen. Zwei Wochen später teilte uns unser Klassenlehrer mit, dass Heinzi an TB verstorben sei. Akki war der einzige der sich zu Heinzis Eltern traute, um seine, wie er immer sagte, "Beileitigung für der Toten" den Eltern auszusprechen. Und von Heinzis Mutter erfuhr er, dass Helmut gekommen sei, um sich angeblich zu entschuldigen. Sie habe Helmut zu Heinzi, der wie meist krank im Bett lag, geführt und war gerade auf dem Weg zurück in die Küche, als sie Heinzi fürchterlich schreien hörte. Helmut hatte auch die Orange an dem neuen Bäumchen wieder zerquetscht

Am übernächsten Tag erschien der fette Helmut mit eingegipstem, linken Arm in der Schule. 
Akki sagte auf dem Nach-Hause-Weg zu mir: "Günni, links hab'ich extra! Damit die dicke Sau schreib'n kann, un' weiter inne Schule muss, un' ich der geden Tach ein bissken mehr Senge geb'n kann!"

Viele Jahre Später besuchte mich Akki in Köln. Inzwischen war er ein erfolgreicher Jurist, Dr. jur. A. G. Mit eigener Kanzlei. Am Abend in der Kneipe meiner Tante fragte ich ihn: 
"Sach'ma, wat iss eigentlich aus dem fetten Helmut geworden?" 
"Och, der iss' schon lange tot!"
"Herzinfarkt infolge Fettleibigkeit?", fragte ich. - 
"Nö, erstickt!", sagte Akki. - 
"Hömma, wie dat? Du hass' der doch nich' etwa ....?"
"Quatsch", lachte Akki, ... "an'nem Mandarinenkern, der iss' einfach an Weihnachten an'nem Mandarinenkern erstickt!!"



03.06.2015 Richtich anbaggern. Die Sparkasse finanzierte fast Kalla's Bagger … doch die echte Bank war wie immer Mudder

Bebelstraße Alstaden

Mensch bagger mich ma'



Da oben ... das ist die Sparkasse in Oberhausen-Alstaden auf der Bebelstraße um 1945. Da hatten wir hier in Deutschland gerade den Krieg hinter uns. Doch wie man sieht, blieb das Geldhaus unversehrt. Nur die kleinen mühsam angesammelten SparGroschen der Arbeiter, Angestellten und Beamten (auch die verdienten damals nur einen Hungerlohn) … waren verlorengegangen, oder besser gesagt: Die hatte man ihnen genommen. 
Und es sollte noch weitere 5 Jahre dauern, bis sich eine erhebliche und stetige Besserung der finanziellen Verhältnisse abzeichnete … Wir rutschten gerade ... wegs mit der neu eingeführten Deutschen Mark (DM) ins Wirtschaftswunder.
Die Sparkasse war mal das Geldinstitut der kleinen Leute, die das von den mageren Monatseinkünften abgesparte Geld zur dorthin trugen, weil es da sicher war und weil es für das bissken Geld angemessene Zinsen gab. 
Auch wir Kinder hatten alle unsere Sparbüchsen von der Sparkasse (die durch nichts "geknackt" werden konnten) und warfen unsere paar Groschen in den durch eine gezackte Sperre gesicherten Schlitz. Für uns Jungen mussten noch Jahre vergehen, um zu bemerken, dass es im Leben noch besser geschützte Schlitze gibt.
Aber manchmal versuchten wir doch die Sparbüchsensperre zu überwinden und fuchtelten mit einem Messer in und an dieser Öffnung herum, bis diese vielleicht ein Zwei-Pfennigstück freigab. Doch meist gelang uns das nicht & der Wunsch, den wir uns mit ein wenig Geld erfüllen wollten, zerplatze wie eine Spüli-Seifenblase. 

Doch Kalla oder Kaka - wie wir ihn auch nannten -, der Junge aus der neureichen Familie, hatte eine besonders pfiffige Idee.
  • Mudder, Du hass doch bald Gebuartstach?!
  • Kehr ja Kaka, in zwei Monate.
  • Mudder, ich will Dich wat zu'n Geburtstach schenk'n!
  • Dat iss' abber lieb von Dich, Kalla.
  • Aber, ich hab kein Geld Mudder.
  • Du muss mich nix teuret schenken Kalla, bastel mich einfach wat.
  • Abber ich will Dich doch ma' wat richtiget schenk'n Mudder, wat richtich Schönet, womit auch wat abfang'n kannz.
  • Iss dat denn teuer, Kalla?
  • Nö, nich so .. so 10 Maark.
  • Kalla, dat iss viel Geld. kuck'ma' dein Freund Günner hat bestimmp noch nie so viel Geld gehab' für sein Mudder wat zu'n kaufen.
  • Ooooch Mudder .. ich hab Dich soooo lieb.
  • Kehr wennze so kucks, Kalla … Kehr nä, hier hasse, Kalla iss ja lieb' von Dich, dat'te mich wat so teuret schenk'n willz.
Kalla, Kaka oder Karl-Heinz - wie er mit richtigem Namen hieß - steckte den 10er ein und wir zogen ab.
  • Kalla, wat willze dein Mudder denn kaufen von dat viele Geld?
  • Kehr Günni, weiße doch. Ich will der Bagger auß'e Spielabteilung von den Kaufhof.
  • Abber Kalle, wat soll denn dein Mudder mit'n Spielzeuchbagga?!?
  • Dat zeich ich Dich.
Kalla kaufte den Bagger. Wir gingen zurück ins Haus von Kalla:
  • Mudder ich pack Dein Geschenk scho'ma aus.
  • Abber Kalla, ich hab doch ers in zwei Monate Geburtstach?!
  • Abber Mudder, ich bin schon so gespannt auf Dein Geschenk un' wie'se Dich freuen tus'!
Kalla packt den Bagger aus und stellt ihn freudestrahlend vor seine Mutter hin.
  • Kehr Kalla, wat soll'ich den mit den Spielzeuchbagger?
  • Kumma Mudder, ich bagger für Dich der Zucker auß'e ZuckerTüte in dat Zuckerdösken, dann bagger ich aus dat Zuckerdösken der Zucker bei den Frühstück den Vadder in sein Kaffee. Dat iss' doch allet viel packtischer un' in die Zeit wo ich bagger, kannze Dich für der Vadder ja schon schön mach'n oder bissken dat Haus putz'n.
  • Kehr Kalla, dat iss abber dann mehr'n Geschenk für Dich?!?
  • Nä, Mudder der Bagger iss' nur für Dich ganz allein. Ich nimm der getz mit nach Draußen in Hof un' pass auf der Bagger auf. Da darf nur ich un' Du mit spiel'n Mudder, … nich' ma' der Günni.
Wen wundert's? Kalla wurde später erfolgreicher Unternehmer und investierte in Immobilien. Sparbüchse, Sparkasse und Bagger hat er längst schon hinter sich gelassen. Seinen Witz und Verstand aber leider auch. Er lebt nur noch in den alten Geschichten von Reichtum, Reisen, eigenem Haus und eigenem Flugzeug und bemerkt gar nicht, dass ihm niemand mehr zuhört.

02.06.2015 Hasse Siffilis, Siffongs, klemme Klempner und schöne Frauens in Alstaden dann geht die Kaiserliche Post ab

Postamt Heidestraße ca. 1900
Siphon Alstaden 2015

Damals hieß es noch 'Kaiserliches Postamt' und somit nannte man die Gesamt-Institution "Kaiserliche Post". 
1950 wurde aus der Reichspost über die Deutsche Post die Bundespost. Heute heiß' dat Dingen 'Deutsche Post AG'. 
Damals war alles noch gesetzlich und später dann grundgesetzlich geregelt … und hoheitlich verwaltet durch Beamte, die oft Anlass zum Ärger gaben, weil dem Bürger vieles an Verwaltungsarbeit zu langsam und zu verkrustet schien. Sicherlich nicht ganz zu unrecht.

Heute mit der Deutschen Post AG, also nach der Privatisierung der Post, begreifen wir erst, in welchem postalischen Paradies wir bis 1989 gelebt haben.

Als man hier in Oberhausen noch ins Kaiserliche Postamt ging, war man stolz darauf einen mühselig verfassten Brief dem Postbeamten zur Weiterleitung übergeben zu können. Manchmal ging auf der Strecke vom Absender zum Empfänger einer der Briefe verloren.

Und einer dieser verlorenen Briefe aus dem Jahre 1910 liegt mir vor:

Liebesteste Marta mein Schnübbelsken Du,

entlich komme ich dazuh, Dich ein paa Zeil'n aus den schön'n Alstaden Dich schriftlich vor Deine wunders schön'n Augens zu schreib'n. 
Hier iss allet schön. Nur Wetter nich' so. Manchmal iss Regen. Mannchmal gib' auch bissken Sonneschein. Wie in Leben. Manchma' Tränens. Manchma flennen. Manchma' lachen. Abber sonz gut. Auch Essen. Un' Verflegelung inne Menarcherie iss' nich für eine Beklagungs wert. Der Hanz aus Alstaden iss' auch bei mich auf'e Maloche.
Hömma, kannze Dich noch an der Hanz ... ich mein, erinners'e Dich noch an der? Weiß'e, der immer so'n bekloppt'n Hut mitti Feder auf sein bekloppten Kopp hat. 
Der iss ja ein Klempner von sein Beruf her. Und hat viel mit den Siffong zu tun. Siffong iss nich die schlimme Krankheit die so ähnlich heiß'. Der Siffong von den ich meine, iss' eine Krümmung unter den Spülbäcken. Und dat Wort kommt von die Versiffung in den Siffong selbs. Und der Siffong iss krumm wie nur wat. Un in diese krumme Krümmung bleibt diesen Dreck aus den ganz'n SauSpülwasser richtich klemmen. Un' der Hanz sacht, da kommp der Name Klemmpner her, weil der dat Geklemmpte widder wech macht.
Letzenz hat der Hanz so eine Lutsche verzei mich diesen Ausdrucke Marta auf'e Straße in Stierum geseh'n. Un' da hat der Hanz zu mich gesacht, kehr kumma Kalla, die iss mit ihre Formens un' Krümmung an ihren Bäcken untenrum schöner als ein schönster Siffong. Als ein Klemper sieht man ebens übberall nur Siffongs!!
Abber dein schönet Bäcken so unt'n an Dich meine gelibteste Marta iss übberhaup der schönze Siffong inne ganze Welt. Un' ich freu mich auf Dein Siffong. Womma ma so sag'n! 
Hömma Marta pass auf Dein Siffong schön auf! Lass kein anderen Klemper als wie mich an den. In 4 Tage von morgen an, bin ich widder bei Dich.

Ich grüße dich bissken von hier
Un' geb dich viel Küssken auf den BriefPapier hier.
(dat Gedicht iss von mich selbs)

Dein Bullebäuseken

01.06.2015 Ringelrein in Oberhausen auf'e Wiese .. pater noster, gib uns unsern täglich'n Nahles-Schwachsinn heute

Oberhausen Styrum Ruhrwiesen

So, zunächst einmal zum eher erfreulichen Teil. 

Wie oben auf dem Bild zu sehen, ging es früher in Oberhausen in und mit Musik-Clubs bei Jugendlichen etwas anders zu. 
Die Ulligen trafen sich auf einer saftig-grünen, noch ungemähten Naturwiese im Schatten des Wasserturms, nahmen sich bei der Hand, reihten einen Ringel zum Tanze (dem berühmten Ringelrein) ....
  • Gedanken zieh`n im Ringelrein
  • und tanzen durch die Welt,
  • ich füg`in ihren Kreis mich ein,
  • weil nichts zurück mich hält
... sangen vergnügt ein Volkslied, während die Pferde im Hintergrund freundlich, den harten Beat dazu wieherten und nachdenklich (wie Pferde meist so sind) die Äse grasten oder die Grase ästen. Je nachdem wie sie an diesem Tag gerade mit Chillen drauf waren.
Industrie, Land, Leben, Landwirtschaft & Landschaft versuchten zu der Zeit damals noch so etwas wie eine Einheit zu bilden. Die Umstände waren ziemlich "Lederhosen-einfach", die Kleider und Röcke der Mädels angemessen kurz … und Böse Onkels gab'et meist nur in den Erzählungen der Eltern am Abendtisch.

Allet paletti … so geht OBERHAUSEN aufe Wiese mit schön Musick dran!!

- Sach ma Eva, hasse frühers auch gern getanz'?
- Klar, so hab'ich mein Heinz kenn'gelernt!
- Un' getz in Alter?!
- Kehr getz, tanz der Heinz nur noch so komische Verrenkung'n in Sessel, wenn seine Hämmerieden anne Poperze brenn' un' juck'n tun!
- Un' sonz?!?
- Nix sonz … nur tote Hose bei den Spaageltaazan!!

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Was wir nicht brauchen hier in Oberhausen sind: 

Hetze und unbegründete Verdächtigungen gegen Randgruppen wie SPD, CDU, FDP, BOB, LINKE, METALLER, MIGRANTEN und OBERHAUSENER! 

Gestern war an dieser Stelle eine viel beachtete und von den Lesern des Blogs auch sehr geschätzte und gelobte Reportage von Jana Wagner über das HELVETE in Oberhausen zu lesen. 

Jana berichtete darüber, wie es in den heutigen "Musik-Clubs" zugeht oder zugehen kann (denn nicht alle sind ja gleich). Sie machte mit ihrer Reportage deutlich, dass der Schein des Obskuren, Bösen, Dämonischen, der solchen Clubs und ihren Besuchern oft anhaftet, immer erst zu hinterfragen ist
Der Blogartikel fand auch sehr viel Zuspruch bei den Mitgliedern der Facebook-Gruppe: "Du weißt, dass Du aus Oberhausen bist, wenn Du früher ..." 
Alles schien in Ordnung. Viele kannten den Helvete-Club. Einige lernten ihn durch Janas Reportage erst kennen. Und einige von den Letzteren nahmen sich vor, diesen Club nun einmal selbst in Augenschein zu nehmen, um dort Musik zu hören, zu tanzen, zu trinken oder einfach nur einmal die Atmosphäre zu genießen

Doch dann wurde ein Kommentar - versehen mit einem Link - veröffentlicht, der den Club, den Besitzer des Clubs und damit zugleich die Besucher dieses Clubs diskreditierte, indem er einige der dort auftretenden Gruppen in die Nähe des Rechtsextremismus verortete. 

Ich zitiere den Kommentar: "Ganz toller Laden, der schon oft in Verruf geraten ist, genauso wie der Besitzer. Und die "KrawallBrüder", die im Februar dort waren, werden vom Verfassungsschutz überwacht..... Dann mal viel Spaß dort." 

Hinzugefügt wurde eine Link mit dem Titel: "Ungestörte Naziparty in Oberhausen" 

Also heißt es für uns jetzt erst einmal richtig stellen (aus Wikipedia): 

"Sie (die spätere Band "Krawallbrüder") spielte zusammen fünf Konzerte bis sie 1995 auf einem Stadtfest-Konzert in Saarlouis Probleme mit dem Verfassungsschutz bekamen. Dieser hatte die Band mit der rechtsextremen Combo Frontal verwechselt und stellte schließlich nach weiteren Ermittlungen die Untersuchungen ein."

Es bleibt somit die Frage im Raum & es wird zu prüfen sein, ob der/die Verfasser/in des Kommentars mit seiner/ihrer offensichtlich falschen Behauptung auf Facebook sich nicht der "Üblen Nachrede" oder gar "Verleumdung" schuldig gemacht hat.